Diese sechs Posten stehen auf der Rechnung
Eine Rechnung für Asbestentsorgung setzt sich aus sechs Posten zusammen, und nur zwei davon können Sie vorher selbst nachschlagen: die Gebühr Ihrer Deponie und der Preis fürs Labor. Die übrigen setzt der Betrieb nach eigener Kalkulation an, deshalb schwanken Angebote für dieselbe Arbeit stark.
Die Posten folgen der Reihenfolge der Arbeit. Zuerst muss jemand feststellen, ob überhaupt Asbest im Material steckt. Dann meldet der Betrieb die Arbeit bei der Behörde und sichert den Arbeitsbereich. Erst danach beginnt der eigentliche Ausbau, und zum Schluss kommen Verpackung, Transport, Deponie und die Belege.
- Probe und Labor: Eine Laboranalyse kostet je Probe einen zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Betrag. Diese Kosten tragen Sie als Eigentümer.
- Anmeldung und Planung: Der Betrieb meldet die Arbeit spätestens eine Woche vor Beginn bei der Behörde und plant die Schutzmaßnahmen. Diese Bürozeit rechnet er als Pauschale ab.
- Ausbau und Schutz: Die Stundensätze kalkuliert jeder Betrieb selbst, auch danach, ob eine geschulte Aufsicht während der Arbeit ständig vor Ort sein muss.
- Verpackung: Asbestzement geht in staubdichte Säcke, bei der Rhein-Sieg-Abfallwirtschaftsgesellschaft, kurz RSAG, ab 8,40 Euro netto je Sack.
- Transport und Deponiegebühr: Der Transport braucht einen zugelassenen Betrieb und für jede Fahrt einen Beleg. Die Deponiegebühr wird je Tonne berechnet und schwankt von Landkreis zu Landkreis um mehr als das Vierfache, siehe die Tabelle unten.
- Abschlussmessung: Nach Arbeiten in Innenräumen mit Absperrung misst eine Fachstelle die Luft, bevor die Absperrung fallen darf. Auch diese Messung rechnet der Betrieb ab.
Die Deponie verlangt 115,50 bis 559,30 Euro
Was eine Tonne Asbestzement an der Deponie kostet, legt jeder Landkreis selbst fest, und die Unterschiede sind groß. Im Landkreis Schweinfurt zahlen Sie 115,50 Euro je Tonne, im Rhein-Sieg-Kreis sind es 559,30 Euro brutto, beim Abfallwirtschaftsbetrieb München je nachdem, wie die Anlage eingestuft ist, 347 oder 516 Euro, im Landkreis Märkisch-Oderland 228,01 Euro. Alle vier Anbieter verlangen, dass der Abfall staubdicht verpackt ankommt.
| Entsorgungsträger | Gebühr je Tonne | Kleinmenge | Stand |
|---|---|---|---|
| Landkreis Schweinfurt, Deponie Rothmühle (DK II) | 115,50 Euro | Annahme nur über die Waage, auch für Privatanlieferer; Annahme nur montags und dienstags | Preisliste gültig ab 1. Mai 2026 |
| Landkreis Märkisch-Oderland | 228,01 Euro | 9,00 Euro je Anlieferung unter 40 Kilogramm | Abfallgebührensatzung 2026 vom 10. Dezember 2025 |
| Abfallwirtschaftsbetrieb München (Deponieklasse I) | 347,00 Euro | 60,00 Euro pauschal unter 200 Kilogramm | Gebührentabelle Großmengen Asbest, abgerufen September 2026 |
| Abfallwirtschaftsbetrieb München (Deponieklasse II) | 516,00 Euro | 85,00 Euro pauschal unter 200 Kilogramm | Gebührentabelle Großmengen Asbest, abgerufen September 2026 |
| Rhein-Sieg-Kreis, RSAG (Sankt Augustin, Swisttal, Troisdorf, Eitorf) | 470,00 Euro netto, 559,30 Euro brutto | keine Pauschale; in Swisttal und Eitorf höchstens 4 Kubikmeter | Preisliste gültig ab 1. Januar 2026 |
Die Unterschiede kommen aus der Kostenstruktur des jeweiligen Landkreises, nicht aus dem Material selbst: Eine Tonne Asbestzement ist in Schweinfurt dieselbe wie in Sankt Augustin. Deshalb lohnt sich ein Blick in die Gebührenliste Ihres Landkreises, bevor Sie ein Angebot beurteilen. Der Betrieb reicht diesen Posten nur durch, Sie können ihn also selbst nachrechnen.
Was kostet die Laboranalyse einer Probe?
Eine Materialprobe im Labor untersuchen zu lassen, kostet nach der Preisliste eines Prüflabors 62 Euro netto oder 73,78 Euro brutto je Probe. Das Labor untersucht die Probe unter einem Spezialmikroskop und schickt Ihnen danach einen Bericht. Ab fünf Proben sinkt der Preis auf 59 Euro netto, ab zehn Proben auf 57 Euro netto je Probe. Andere Labore haben eigene Preise, einen einheitlichen Satz für ganz Deutschland gibt es nicht.
Teurer wird es bei Wandputz, Spachtelmasse und Fliesenkleber. Dort steckt der Asbest oft nur in geringen Mengen im Material, und das Labor muss die Probe aufwendiger vorbereiten. Für diese Analyse verlangt dasselbe Labor 172,55 Euro brutto je Probe, für eine genaue Angabe des Asbestanteils noch mehr.
Eine Messung der Raumluft ist ein eigener Posten. Bei demselben Labor kostet die Auswertung eines Messfilters 155 Euro netto je Probe, dazu kommt die eigentliche Probenahme vor Ort. Diese Messung brauchen Sie nur, wenn nach Arbeiten in Innenräumen die Luft geprüft werden muss.
Warum Schutzmaßnahmen den größten Teil kosten
Der größte Posten einer Rechnung ist nicht die Deponie, sondern der Aufwand, der verhindert, dass Fasern aus dem Arbeitsbereich entweichen. Ein einfacher Ausbau von Wellplatten im Freien braucht kaum Schutzmaßnahmen. Spritzasbest oder Leichtbauplatten in einem Innenraum dagegen brauchen einen abgeriegelten Bereich mit eigener Dusche, Unterdruck und einer Schleuse fürs Material. Dazu kommen Geräte, die der Betrieb kauft, wartet und auf jede Baustelle umlegt. Eine Stunde dort kostet deshalb ein Mehrfaches einer Stunde auf dem Dach. Dazu kommt Zeit, die Sie nicht sehen: Anmeldung, Plan und die Wartezeit auf die Abschlussmessung, bevor die Absperrung fallen darf. Nur bei kleinen Arbeiten darf der Betrieb auf die Messung verzichten.
Zahlen Sie, die Versicherung oder das Finanzamt?
In fast allen Fällen zahlen Sie als Eigentümer selbst. Ihre Wohngebäudeversicherung ersetzt nach den gängigen Musterbedingungen Schäden durch Brand, Leitungswasser, Sturm, Hagel und die vereinbarten Naturgefahren. Ein Asbestdach, das seit 1975 auf dem Haus liegt, ist kein solcher Schaden. Anders sieht es aus, wenn ein Sturm das Dach zerstört. Dann zählen die Kosten für Schuttabfuhr und Entsorgung zu den versicherten Aufräumkosten, bis zu der Summe, die im Vertrag steht.
Das Finanzamt beteiligt sich an der Arbeitszeit. Über den Handwerkerbonus erstattet es 20 Prozent der Arbeitskosten, höchstens 1.200 Euro im Jahr. Das gilt nur für die reine Arbeitszeit, nicht für den Preis der Deponie oder die Verpackung, und nur, wenn Sie eine Rechnung haben und per Überweisung bezahlt haben. Mehr zu diesem Weg und zu einer zweiten Möglichkeit, wenn von Ihrem Haus eine Gesundheitsgefahr ausgeht, lesen Sie im Ratgeber Asbestsanierung von der Steuer absetzen.
Bei einem Nachtspeicherofen aus einem Privathaushalt muss der öffentliche Entsorger das Altgerät kostenlos annehmen, darf aber unsachgemäß ausgebaute Geräte zurückweisen. Ausbau und Transport bis zur Sammelstelle zahlen Sie selbst, nach einer Schätzung des Bayerischen Landesamts für Umwelt etwa 100 bis 230 Euro netto je Gerät.
So prüfen Sie ein Angebot in sechs Schritten
Ein Angebot lässt sich nachrechnen, wenn Sie es in dieselben Posten zerlegen wie oben. Zwei davon holen Sie sich selbst, die übrigen vergleichen Sie zwischen den Angeboten.
- Menge klären: Lassen Sie sich Fläche in Quadratmetern und geschätztes Gewicht in Tonnen ins Angebot schreiben. Ohne Tonnen können Sie den Preis der Deponie nicht nachrechnen.
- Preis der Deponie nachschlagen: Suchen Sie in der Gebührenliste Ihres Landkreises den Satz für Asbestzement und multiplizieren Sie ihn mit den Tonnen aus Schritt 1.
- Verpackung zählen: Ein Sack fasst rund einen Kubikmeter. Prüfen Sie, ob die Zahl zur Menge passt und der Stückpreis in der Nähe von 3 bis 20 Euro netto liegt.
- Schutzaufwand prüfen: Fragen Sie, wie gefährlich der Betrieb die Arbeit einstuft und welche Schutzmaßnahmen er dafür ansetzt. Eine komplette Schleuse für ein Gartenhausdach im Freien gehört nicht ins Angebot.
- Belege prüfen: Anmeldung, Plan, Transportbeleg und, bei Innenräumen, die Abschlussmessung müssen als eigene Posten auftauchen. Fehlen sie, ist das Angebot unvollständig, nicht günstig.
- Summe vergleichen: Ziehen Sie den Preis der Deponie und die Verpackung ab. Was bleibt, ist der Preis für Planung, Schutz, Arbeit und Transport. Nur diesen Rest vergleichen Sie zwischen den Betrieben.
Ist das Bauteil unbeschädigt, fest gebunden wie bei Asbestzement, und müssen Sie es für Ihr Vorhaben nicht anfassen?
Dann darf es bleiben. Für unbeschädigte Asbestzement-Produkte gibt es keine Pflicht zur Sanierung. Ihre Kosten beschränken sich auf eine Materialprobe, falls Sie Gewissheit wollen.
Handelt es sich um weiches Material wie Spritzasbest, Pappe oder Leichtbauplatten in einem Innenraum?
Dann bewertet ein Sachverständiger, wie dringend die Sanierung ist. Bei hoher Dringlichkeit muss sofort gehandelt werden, und die Arbeit fällt in die teuerste Kategorie der Tabelle oben.
Gibt es für Ihre Arbeit ein anerkanntes staubarmes Verfahren, etwa für Bohrungen oder Fensterbänke?
Dann arbeitet der Betrieb ohne Schleuse, ohne Dusche und ohne Abschlussmessung. Das Angebot muss deutlich unter dem einer Innenraumsanierung liegen.
Dann braucht die Arbeit mittleren bis hohen Aufwand. Verlangen Sie, dass das Angebot benennt, wie gefährlich der Betrieb die Arbeit einstuft, und vergleichen Sie zwei Angebote auf dieser Grundlage.
Warum ein billiges Angebot teurer wird
Ein Angebot ohne Anmeldung, ohne Transportbeleg und ohne Verpackung spart diese Posten nicht ein, es verlagert nur das Risiko auf Sie. Wer Asbestarbeiten nicht oder nicht richtig meldet, riskiert ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro. Wer ohne die nötige Zulassung an gefährlichem Material arbeitet oder verbotene Arbeiten ausführt, macht sich strafbar.
Auch beim Abfall gibt es keine Ausnahme für Sparer. Wer krebserzeugenden Abfall außerhalb einer zugelassenen Anlage entsorgt, riskiert eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. Sie bleiben als Eigentümer in der Pflicht, selbst wenn ein Betrieb den Transport übernommen hat.
Der teuerste Fehler ist der unsichtbare. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung zählte für 2024 insgesamt 1.226 Todesfälle durch asbestbedingte Krankheiten. Davon starben 617 an der Krebsart Mesotheliom, 399 an Lungen-, Kehlkopf- oder Eierstockkrebs, 186 an Vernarbung der Lunge und 24 an einer Kombination aus Asbest und weiteren Schadstoffen. Diese Zahl steht hinter jeder Absperrung, jeder Messung und jedem Sack auf der Rechnung.
Häufige Fragen
Was kostet die Entsorgung von Eternitplatten pro Tonne?
Allein der Preis der Deponie für Eternitplatten liegt 2026 je nach Landkreis zwischen 115,50 Euro und 559,30 Euro je Tonne. Dazu kommen Säcke zur Verpackung, der Transport und die Arbeitszeit des Betriebs, der die Platten abnimmt.
Kann ich Asbestplatten kostenlos am Wertstoffhof abgeben?
Nur dort, wo der Landkreis das in seiner Satzung vorsieht. Der Landkreis Göttingen nimmt zum Beispiel Kleinstmengen bis 20 Liter aus privaten Haushalten kostenlos an, andere Landkreise verlangen dafür 9 bis 60 Euro. Staubdicht verpackt muss der Abfall überall sein, sonst wird die Annahme verweigert.
Zahlt die Wohngebäudeversicherung eine Asbestsanierung?
Eine geplante Sanierung zahlt die Wohngebäudeversicherung nicht, weil nur Schäden durch Brand, Leitungswasser, Sturm, Hagel und vereinbarte Naturgefahren versichert sind. Zerstört ein Sturm ein Asbestdach, übernimmt der Versicherer die Aufräumkosten bis zu der im Vertrag vereinbarten Summe.
Kann ich die Kosten einer Asbestentsorgung von der Steuer absetzen?
Ja, den Arbeitskostenanteil können Sie über den Handwerkerbonus geltend machen: Das Finanzamt erstattet 20 Prozent der Arbeitskosten, höchstens 1.200 Euro im Jahr. Der Preis der Deponie und die Verpackung zählen dafür nicht, und Sie brauchen eine Rechnung sowie eine Überweisung als Nachweis.
Was kostet eine Asbestanalyse im Labor?
Eine einzelne Materialprobe kostet bei einem Prüflabor 62 Euro netto oder 73,78 Euro brutto. Für Putz, Spachtelmasse und Fliesenkleber liegt der Preis wegen der aufwendigeren Vorbereitung bei 172,55 Euro brutto je Probe. Andere Labore kalkulieren eigene Preise.
Warum ist die Asbestentsorgung so teuer?
Weil das Gesetz je nach Gefahr Absperrung, Unterdruck, eine Dusche für die Mitarbeiter und eine Abschlussmessung unter 500 Fasern je Kubikmeter Luft vorschreibt. Dazu kommt geschultes Personal, das während der Arbeit ständig vor Ort sein muss. Und der Abfall geht auf eine Deponie, die 2026 zwischen 115,50 und 559,30 Euro je Tonne verlangt.
