Wurde Ihr Dachstuhl mit PCP oder Lindan behandelt?
Pentachlorphenol, kurz PCP, diente als Mittel gegen Bakterien und Pilze im Holzschutz, oft kombiniert mit dem Insektenmittel Lindan im Verhältnis von etwa 10 zu 1. Der PCP-Gehalt der Mittel lag meist bei rund 5 Prozent. Verwendet wurden diese Holzschutzmittel im Innen- und Außenbereich etwa von 1950 bis 1980, besonders häufig an Dachstühlen, Fachwerk und sichtbaren Holzverkleidungen. Auch Möbel, Holzdecken und Holzvertäfelungen in Wohnräumen wurden in dieser Zeit häufig damit gestrichen, weil sie als moderner Schutz gegen Schimmel und Schädlinge galten.
Für Eigentümer eines Hauses aus dieser Bauzeit ist wichtig: Ein alter Anstrich sieht nach Jahrzehnten oft unauffällig aus, weil die Farbe verblasst und das Holz nachgedunkelt ist. Fehlen sichtbare Streichspuren, beweist das nicht, dass kein PCP vorhanden ist. Umgekehrt enthielt auch nicht jeder Anstrich aus dieser Zeit diese Stoffe.
PCP kam etwa von 1950 bis 1980 zum Einsatz, meist an Dachstuhl und Fachwerk, und ist seit 1989 vollständig verboten. Lindan wurde ab 1984 nicht mehr hergestellt, seine Verwendung ist seit 1989 untersagt, EU-weit seit 2008.
| Stoff | Verwendungszeit im Holzschutz | Verbot |
|---|---|---|
| Pentachlorphenol (PCP) | etwa 1950 bis 1980, innen und außen | Innenräume ab 1986, vollständig ab 1989 |
| Lindan | meist gemeinsam mit PCP im Verhältnis 10 zu 1 | Herstellung ab 1984 gestoppt, Verwendung ab 1989 verboten, EU-weit seit 2008 |
Beide Stoffe gasen über viele Jahrzehnte aus behandeltem Holz aus. Ein Haus, das seit der Behandlung nie umfassend saniert wurde, kann deshalb bis heute messbare Werte in der Raumluft haben, auch Jahrzehnte nach dem letzten Anstrich. Welche weiteren Schadstoffe in einem Haus dieser Bauzeit stecken können, zeigt der Ratgeber Welche Schadstoffe außer Asbest im Altbau stecken.
Welche Grenzwerte gelten für PCP in der Raumluft?
Maßgeblich ist eine Richtlinie der Bauministerien der Länder aus dem Jahr 1996. Sie unterscheidet zwischen einem Wert für gewöhnliche Wohnräume, der auf Dauer als unbedenklich gilt, und einer strengeren Schwelle für Räume, in denen sich Menschen dauerhaft aufhalten.
In gewöhnlichen Wohnräumen gilt ein Wert von unter 0,1 Mikrogramm PCP je Kubikmeter Luft als auf Dauer unbedenklich. In Räumen, die Sie mehr als acht Stunden täglich nutzen, liegt die Grenze bei 1 Mikrogramm je Kubikmeter. Für Lindan in der Raumluft gilt etwa derselbe Wert.
| Messgröße | Wert | Bedeutung |
|---|---|---|
| PCP in der Raumluft, gewöhnlicher Wohnraum | unter 0,1 Mikrogramm je Kubikmeter | Vorsorge- und Zielwert, auf Dauer unbedenklich |
| PCP in der Raumluft, dauerhaft genutzte Räume (mehr als 8 Stunden täglich) | unter 1 Mikrogramm je Kubikmeter | Darüber ist ein Gesundheitsrisiko nicht auszuschließen |
| PCP im Hausstaub | unter 1 Milligramm je Kilogramm Staub | Darunter lässt sich ein PCP-haltiges Holzschutzmittel weitgehend ausschließen |
| Lindan in der Raumluft | etwa 1 Mikrogramm je Kubikmeter | Wert, unterhalb dessen eine gesundheitliche Beeinträchtigung unwahrscheinlich ist |
Wie erkennen und messen Sie eine Belastung?
Ein modrig-süßlicher Geruch an sichtbarem Fachwerk oder Dachstuhlholz ist ein erstes Anzeichen, ebenso gelblich-bräunliche Streichspuren an tragenden Balken aus der Bauzeit 1950 bis 1980. Beide Merkmale beweisen nichts: Andere Holzschutzmittel können ähnlich aussehen und riechen, und ein Geruch ist bei offenem Fenster oder nach Jahrzehnten oft kaum noch wahrnehmbar, obwohl das Holz weiter ausgast.
- Eine Materialprobe aus dem behandelten Holz durch ein geprüftes Labor auf PCP und Lindan untersuchen lassen, an mehreren Stellen, weil der Anstrich früher oft ungleichmäßig aufgetragen wurde.
- Eine Messung der Raumluft über mehrere Tage veranlassen, um die tatsächliche Belastung der Nutzer zu erfassen, nicht nur den Gehalt im Holz.
- Bei Verdacht auf mehrere Quellen im selben Raum unterscheiden: das behandelte Holz selbst und Staub, Textilien oder Möbel, die PCP über die Raumluft aufgenommen haben.
- Ergebnis mit den Werten aus der Tabelle oben abgleichen, nicht mit einem selbst gewählten Maßstab.
Wie läuft die Sanierung ab?
Am liebsten wird belastetes Holz ganz entfernt. Wo das statisch oder wirtschaftlich nicht geht, etwa bei tragenden Dachstuhlbalken, kommen Zwischenlösungen infrage. Dabei zählt: Das behandelte Holz selbst ist eine Quelle, Staub, Teppiche oder Möbel, die PCP aus der Luft aufgenommen haben, sind eine zweite. Eine dauerhafte Sanierung muss beide Quellen behandeln, sonst bleibt die Raumluft trotz entferntem Holz belastet.
- Sofortmaßnahme bei erhöhten Werten: mehrmals täglich lüften, harte Oberflächen feucht wischen und Textilien waschen, bis die eigentliche Sanierung beginnt.
- Betroffene Bauteile nach Möglichkeit vollständig ausbauen und austauschen, wenn Statik und Kosten das erlauben.
- Ist ein Ausbau nicht möglich, eine geprüfte, abdichtende Beschichtung auf das gereinigte Holz auftragen.
- Nach der Sanierung die Raumluft erneut messen lassen, um die Wirkung zu belegen, und das Ergebnis für spätere Nachfragen aufbewahren.
Handelt es sich um ein tragendes Bauteil, dessen vollständiger Austausch die Statik gefährden oder unverhältnismäßig teuer würde?
Dann kommt eine geprüfte, abdichtende Beschichtung nach der Reinigung des Holzes infrage, mit einer Kontrollmessung danach.
Liegt die gemessene Raumluft über 0,1 Mikrogramm PCP je Kubikmeter?
Dann entfernen Sie das belastete Holz vollständig, das ist der dauerhafte Weg.
Dann besteht kein akuter Handlungsbedarf. Eine erneute Messung nach einigen Jahren zeigt, ob sich die Belastung verändert hat.
Was kostet die Holzsanierung, und wer zahlt sie?
Eine bundesweite Preisliste für die Sanierung von PCP-belastetem Holz gibt es nicht. Der Preis richtet sich danach, ob das Holz ausgetauscht oder nur beschichtet wird, wie groß die Fläche ist und ob tragende Bauteile betroffen sind. Ein vollständiger Austausch eines Dachstuhls kostet mehr als das Beschichten einer sichtbaren Verkleidung. Dazu kommen die Materialprobe und, bei dauerhaft genutzten Räumen, die Raumluftmessung vor und nach der Sanierung.
Für ausgebautes, belastetes Holz gibt es keine eigene Kennziffer, die nur diese Stoffe nennt. Es wird deshalb nach der tatsächlichen Belastung eingeordnet, im Zweifel als Sondermüll. Ihr Fachbetrieb klärt die richtige Einordnung mit dem Entsorger, bevor der Container oder die Säcke abgeholt werden. Steht im selben Haus auch eine dauerelastische Fuge unter Verdacht, hilft der Ratgeber PCB in Fugendichtungen erkennen und sanieren weiter.
Die Arbeitskosten eines Fachbetriebs im eigenen Haushalt zählen wie bei anderen Schadstoffsanierungen als Handwerkerleistung: 20 Prozent, bis höchstens 1.200 Euro im Jahr, mindern Ihre Steuer. Die vorgelagerte Raumluftmessung und Materialprobe zählen nicht dazu, weil sie keine handwerkliche Arbeit sind.
Welche Fehler passieren am häufigsten bei PCP und Lindan?
Die meisten Fehler entstehen, weil PCP und Lindan weder riechen noch sichtbar sind, sobald der Anstrich verblasst ist. Viele Eigentümer halten die Belastung für ein reines Geruchsproblem, das mit Lüften verschwindet.
- Belastetes Holz selbst abschleifen, ohne Atemschutz und ohne Staubabsaugung, weil die Arbeit wie gewöhnliche Holzpflege aussieht.
- Alte Balken einfach überstreichen, ohne eine geprüfte, abdichtende Beschichtung zu verwenden.
- Die Belastung nur am Geruch beurteilen, statt eine Material- oder Raumluftprobe nehmen zu lassen.
- Nur auf PCP testen lassen und Lindan vergessen, obwohl beide Stoffe fast immer gemeinsam auftreten.
- Einen Dachboden oder Fachwerkraum ohne vorherige Prüfung als Kinderzimmer oder Dauerwohnraum nutzen, obwohl gerade dort der strengere Grenzwert gilt.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich, ob mein Dachstuhl mit PCP behandelt wurde?
Ein modrig-süßlicher Geruch und gelblich-bräunliche Streichspuren an Holz aus der Bauzeit 1950 bis 1980 sind erste Hinweise. Eine sichere Aussage liefert nur eine Materialprobe des Holzes, ergänzt durch eine Raumluftmessung, wenn der Raum dauerhaft genutzt wird.
Ab welchem Wert muss ich mein Holz sanieren lassen?
Unter 0,1 Mikrogramm PCP je Kubikmeter Raumluft gilt als auf Dauer unbedenklich. In Räumen, die Sie mehr als acht Stunden täglich nutzen, ist ab etwa 1 Mikrogramm je Kubikmeter ein Gesundheitsrisiko nicht mehr auszuschließen. Je näher der gemessene Wert an diese Grenze rückt, desto dringender wird eine Sanierung.
Darf ich PCP-belastetes Holz selbst abschleifen?
Davon ist abzuraten. PCP gilt als wahrscheinlich krebserzeugend und kann die Entwicklung von Kindern schädigen, und Schleifstaub setzt den Wirkstoff konzentrierter frei als der bereits angetrocknete Anstrich. Lassen Sie diese Arbeit von einem Fachbetrieb mit Atemschutz und Staubabsaugung ausführen.
Was ist der Unterschied zwischen PCP und Lindan?
PCP wirkt gegen Pilzbefall, Lindan gegen holzzerstörende Insekten wie den Hausbock. Holzschutzmittel enthielten meist beide Stoffe gemeinsam im Verhältnis 10 zu 1, wurden aber zu unterschiedlichen Zeiten verboten: PCP 1989 vollständig, Lindan als Pflanzenschutzmittel 1999 und EU-weit umfassend 2008.
Was kostet die Sanierung von PCP-belastetem Holz?
Eine bundesweite Preisliste gibt es nicht, der Preis hängt davon ab, ob das Holz ausgetauscht oder nur beschichtet wird und wie groß die Fläche ist. Die Arbeitskosten können Sie wie bei anderen Schadstoffsanierungen als Handwerkerleistung von der Steuer absetzen: 20 Prozent, höchstens 1.200 Euro im Jahr.
