Welche Häuser und Bauteile enthalten PCB?
Polychlorierte Biphenyle, kurz PCB, kamen seit den 1950er-Jahren in geschlossenen Bauteilen wie Kondensatoren von Leuchtstoffröhren vor, aber auch in großem Umfang offen als Weichmacher. Die häufigste Anwendung im Hochbau war der Einsatz in dauerelastischen Fugen, mit einem Chloranteil von 30 bis 60 Gewichtsprozent, unter Handelsnamen wie Clophen oder Aroclor. Diese Weichmacher machten die Dichtungsmasse dauerhaft elastisch und witterungsbeständig, was sie für den damaligen Baustandard attraktiv machte, bis das Gesundheitsrisiko erkannt wurde.
Wie hoch die Belastung der Raumluft durch ein PCB-haltiges Bauteil tatsächlich ausfällt, hängt von mehreren Dingen ab. Dazu zählen die Art des verwendeten Gemischs, seine Menge, das Verhältnis von belasteter Fläche zu Raumvolumen und die Witterung. Im Lauf der Zeit können dadurch auch ursprünglich unbelastete Bauteile im selben Raum belastet werden.
In geschlossenen Geräten wurde PCB von den 1950er-Jahren bis zum Verbot 1989 eingesetzt. In offenen Anwendungen wie Fugen kam es bis etwa 1975 zum Einsatz, in Ausnahmefällen bis 1980.
| Anwendungsart | Typische Bauteile | Zeitraum |
|---|---|---|
| In geschlossenen Geräten | Kondensatoren in Leuchtstoffröhren und ähnlichen Geräten | 1950er-Jahre bis zum Verbot 1989 |
| Offen, am häufigsten | Dauerelastische Fugen: Gebäudetrennfugen, Bewegungsfugen zwischen Betonfertigteilen, Anschlussfugen an Fenstern und Türen | bis etwa 1975, in Ausnahmefällen bis 1980 |
| Weitere offene Anwendungen | Anstriche, Klebstoffe, Deckenplatten, Kunststoffe, Kabelummantelungen | ähnlicher Zeitraum wie Fugendichtungsmassen |
Nach heutigem Kenntnisstand ist eine offene Anwendung von PCB in Häusern, die nach 1980 gebaut wurden, nicht zu erwarten. Betroffen sind vor allem großflächige Betonbauten aus dieser Zeit, darunter viele Schulen, Kindergärten und Sporthallen. Einen Überblick über weitere Schadstoffe aus derselben Bauzeit gibt der Ratgeber Welche Schadstoffe außer Asbest im Altbau stecken.
Ab welchem Wert ist PCB in der Luft riskant?
Die Einordnung stützt sich auf eine ältere toxikologische Bewertung, die in den PCB-Richtlinien der Bundesländer übernommen wurde.
Zwischen 300 und 3.000 Nanogramm je Kubikmeter gilt: Die Quelle der Belastung muss gefunden und mit angemessenem Aufwand beseitigt werden. Bis dahin helfen regelmäßiges Lüften und gründliche Reinigung, die Belastung zu senken. Das Ziel jeder Sanierung liegt in beiden Fällen unter 300 Nanogramm je Kubikmeter.
Wie wird eine PCB-Belastung untersucht?
Eine graue oder braune, gummiartige Fugenmasse an Fenstern, Fassadenelementen oder Betonfertigteilen aus den 1960er- oder 1970er-Jahren ist ein Hinweis, aber kein Beweis. Auch unbelastete Dichtungsmassen können ähnlich aussehen. Besonders häufig betroffen sind großflächige Betonbauten wie Schulen, Kindergärten und Sporthallen, weil dort viele Meter Fuge auf verhältnismäßig kleines Raumvolumen treffen. Die Belastung der Luft steigt dadurch schneller als in einem Einfamilienhaus mit wenigen Fenstern.
- Begehung durch eine erfahrene Person, die verdächtige Materialien erkennt, fotografiert und mit dem Baujahr des Hauses abgleicht.
- Probenahme und Analyse der verdächtigen Materialien, um stark belastete Bauteile mit mehr als 0,1 Gewichtsprozent PCB zu erkennen.
- Messung der Raumluft unter sommerlichen Bedingungen, weil PCB bei Wärme stärker austritt und ein Wintertest die tatsächliche Belastung unterschätzen würde.
- Erstellung einer Übersicht aus Materialproben und Luftproben als Grundlage für den Sanierungsplan.
Wie läuft eine PCB-Sanierung ab?
Manche Bauteile enthalten PCB, weil es gezielt zugesetzt wurde, etwa die Fugenmasse selbst. Andere Bauteile oder Gegenstände haben PCB über längere Zeit aus der belasteten Luft aufgenommen und geben es langsam wieder ab, zum Beispiel Wandputz, Teppichböden oder Vorhänge. Eine gute Sanierung behandelt beide Fälle.
Fugen entfernen
Dauerelastische Dichtungsmassen werden mit staubarm arbeitenden Werkzeugen oder von Hand entfernt, Hinterfüllmaterial ausgebaut und anfallender Staub sofort mit einem geeigneten Sauger aufgenommen.
Fugenflanken behandeln
Können die Ränder der Fuge nicht mit entfernt werden, werden sie vollständig gereinigt und mit einer abdichtenden Beschichtung versehen, bevor neu verfugt wird.
Große Flächen abtragen
Anstriche und Beschichtungen werden staubfrei unter ständiger Absaugung entfernt, zum Beispiel mit einem abgesaugten Wasserhochdruckverfahren. Hitze über 100 Grad oder offene Flamme sind ungeeignet, weil dabei zusätzlich giftige Stoffe entstehen können.
Weitere Quellen prüfen
Sinkt die Raumluft durch das Entfernen der Fugen allein nicht unter den Grenzwert von 300 Nanogramm je Kubikmeter, müssen auch andere belastete Bauteile entfernt, abgetragen oder dicht verschlossen werden.
Feinreinigung
Alle Oberflächen werden zunächst mit einem Sauger, dann mit handelsüblichen Mitteln feucht gereinigt. Hochdruckreiniger eignen sich nicht, weil die Reinigungsflüssigkeit nicht vollständig aufgefangen werden kann.
Erfolg prüfen
Nach Abschluss der Arbeiten und erneut nach einiger Zeit wird die Raumluft im Sommer gemessen, um den langfristigen Erfolg der Sanierung zu belegen.
Was kostet eine PCB-Sanierung, und wer zahlt sie?
Eine bundesweite Preisliste für PCB-Sanierungen gibt es nicht. Die Kosten hängen davon ab, ob nur Fugen und Anstriche betroffen sind oder auch Wandputz und Bodenbeläge behandelt werden müssen, dazu kommen Materialproben und Raumluftmessungen vor und nach der Sanierung. Eine Stadtverwaltung, die mehrere Häuser nach Dringlichkeit sanierte, machte dabei eine Erfahrung. Die vollständige Sanierung war deutlich teurer als das reine Austauschen der Fugen, weil zusätzliche Flächen abgetragen und neu beschichtet werden mussten. Bei einem Verdacht auf mehrere Schadstoffe im selben Haus lohnt vorab ein Schadstoffgutachten vor Abriss und Kernsanierung.
- Materialproben und eine erste Raumluftmessung beauftragen, um belastete Bauteile und den Ausgangswert zu ermitteln.
- Einen Sanierungsplan erstellen lassen, der festlegt, ob die Fugen allein reichen oder weitere Bauteile betroffen sind.
- Die Sanierung durch ein Fachbüro für Schadstoffuntersuchung und einen ausführenden Betrieb gemeinsam planen und durchführen lassen.
- Nach Abschluss eine Kontrollmessung veranlassen und das Ergebnis als Beleg aufbewahren, für spätere Nutzer oder einen Käufer des Hauses.
Die Arbeitskosten eines Fachbetriebs im eigenen Haushalt zählen wie bei anderen Schadstoffsanierungen als Handwerkerleistung: 20 Prozent, bis höchstens 1.200 Euro im Jahr, mindern Ihre Steuer. Die vorgelagerte Untersuchung zählt nicht dazu, weil sie keine handwerkliche Arbeit ist.
Welche Fehler passieren bei einer PCB-Sanierung?
Die meisten Fehler entstehen, weil PCB unsichtbar in der Luft wirkt und eine Sanierung erst nach einer Kontrollmessung wirklich abgeschlossen ist. Wer diese Kontrolle auslässt, kann eine Sanierung für erfolgreich halten, die den Zielwert in Wahrheit nicht erreicht hat.
- Nur die Fugen entfernen und andere belastete Bauteile ignorieren, obwohl der Grenzwert danach immer noch überschritten wird.
- Dichtungsmassen mit offener Flamme oder anderer Hitze über 100 Grad entfernen, statt staubarm mit Werkzeug oder von Hand.
- Nach der Sanierung mit einem Hochdruckreiniger arbeiten, obwohl sich die Reinigungsflüssigkeit dabei nicht vollständig auffangen lässt.
- Die Raumluft im Winter statt im Sommer messen und dadurch die tatsächliche Belastung unterschätzen.
- Große Flächen wie Farbanstriche unterschätzen, obwohl sie oft stark belastet sind und zusätzlich über Haut und Abrieb aufgenommen werden können.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich PCB-haltige Fugen an meinem Haus?
Eine graue oder braune, gummiartige Fugenmasse an Fenstern, Fassadenelementen oder Betonfertigteilen aus den 1960er- oder 1970er-Jahren ist ein deutlicher Hinweis. Sicherheit gibt nur eine Materialprobe, weil auch unbelastete Dichtungsmassen ähnlich aussehen können.
Ab welchem Wert muss ich PCB-Fugen sanieren lassen?
Unter 300 Nanogramm PCB je Kubikmeter Raumluft gilt die Belastung als auf Dauer hinnehmbar. Zwischen 300 und 3.000 Nanogramm muss die Quelle mit angemessenem Aufwand beseitigt werden, ab 3.000 Nanogramm sind sofortige Maßnahmen nötig.
Reicht es, nur die Fugen selbst auszutauschen?
Nur, wenn die Raumluft danach zuverlässig unter 300 Nanogramm je Kubikmeter sinkt, was eine Kontrollmessung nach der Sanierung belegen muss. Bleibt sie darüber, haben andere Bauteile wie Wandputz oder Teppichböden PCB aufgenommen und müssen zusätzlich behandelt werden.
Darf ich PCB-haltige Fugen mit Hitze oder offener Flamme entfernen?
Nein. Hitze über 100 Grad oder eine offene Flamme sind ungeeignet, weil dabei zusätzlich zu PCB weitere giftige Stoffe entstehen können, die noch schwerer abbaubar sind. Geeignet sind staubarm arbeitende Werkzeuge oder die Entfernung von Hand unter ständiger Absaugung.
Was kostet eine PCB-Sanierung?
Eine bundesweite Preisliste gibt es nicht, die Kosten hängen davon ab, ob nur Fugen und Anstriche oder auch Wandputz betroffen sind und wie viele Räume saniert werden müssen. Die Arbeitskosten können Sie wie bei anderen Schadstoffsanierungen als Handwerkerleistung von der Steuer absetzen: 20 Prozent, höchstens 1.200 Euro im Jahr.
