Dürfen Sie eine Asbestprobe selbst nehmen
Auf Ihrem eigenen Grundstück dürfen Sie eine Materialprobe grundsätzlich selbst entnehmen. Die Vorschriften für Asbestarbeiten verlangen eine besonders erfahrene Person nur für Betriebe, die im Rahmen ihrer Arbeit tätig werden. Für Privatpersonen in der eigenen Wohnung gilt das nicht.
Auch die Reform der Vorschriften für gefährliche Stoffe hat daran nichts geändert. Sie verpflichtet Sie als Eigentümer zwar, einen beauftragten Betrieb über bekannten Asbest zu informieren, verlangt aber keine besondere Erfahrung für die Untersuchung des eigenen Eigentums.
Zwei Grenzen bleiben trotzdem bestehen. Erstens gilt die Erlaubnis nur für fest gebundenes Material wie Putz, Fliesenkleber oder Asbestzement, bei dem sich mit den Schritten aus diesem Artikel kaum Fasern lösen. Bei schwach gebundenem Material wie Spritzasbest oder Dichtungsschnüren an Nachtspeicheröfen überlassen Sie die Probenahme einem Fachbetrieb. Denn schon eine kleine Beschädigung kann dort große Mengen Fasern freisetzen. Zweitens braucht ein Befund, der gegenüber einem Käufer, einer Bank oder einem Fachbetrieb zählen soll, ein zugelassenes Labor und eine nachvollziehbare Entnahmestelle.
Was genau Sie an asbesthaltigem Putz oder Fliesenkleber selbst bohren oder stemmen dürfen, zeigt der Ratgeber Asbest im Fliesenkleber und Putz erkennen.
In 5 Schritten zur sicheren Materialprobe
Die Entnahme selbst ist der gefährliche Teil, nicht die Analyse im Labor. Wer trocken bohrt, sägt oder abschlägt, setzt genau die Fasern frei, die die Probe eigentlich klären soll.
- Schutzausrüstung anlegen: eine Atemschutzmaske der Klasse FFP3, Einweghandschuhe und einen Einwegoverall. Ohne diese Ausrüstung entnehmen Sie keine Probe.
- Die Entnahmestelle mit einer Sprühflasche anfeuchten, statt zu bohren, zu schleifen oder trocken abzuschlagen. Feuchtes Material gibt kaum Fasern an die Luft ab.
- Mit einem Cutter oder Spachtel ein etwa 1 mal 1 Zentimeter großes Stück vorsichtig herauslösen, möglichst als ein Stück und mit allen Schichten zusammen, etwa Kleber und Fliese gemeinsam.
- Die Entnahmestelle danach mit Klebeband oder Farbe wieder verschließen und mit einem feuchten Tuch nachwischen. Das Tuch entsorgen Sie wie die Probe, nicht im Hausmüll.
- Die Probe sofort in einen ersten Beutel geben und diesen verschließen, noch bevor Sie ihn beschriften oder in einen zweiten Beutel legen.
So verpacken und verschicken Sie die Probe sicher
Die Probe reist doppelt verpackt und luftdicht verschlossen zum Labor. Legen Sie sie in einen ersten Beutel aus reißfester Folie, drücken Sie die Luft heraus und verschließen Sie ihn dicht. Diesen Beutel stecken Sie in einen zweiten, ebenfalls luftdicht verschlossenen Beutel oder ein kleines Röhrchen. Erst der äußere Beutel trägt die Beschriftung: Nummer, Ort und Datum.
Fest gebundenes Material wie Putz, Fliesenkleber oder Asbestzement dürfen Sie ohne besondere Vorschriften für Gefahrgut mit der normalen Post verschicken. Eine Ausnahme im europäischen Gefahrgutrecht erlaubt das, weil beim Transport keine gefährliche Menge Fasern austreten kann, solange die Verpackung dicht ist. Genau dafür sorgt die doppelte, luftdichte Verpackung. Ein gepolsterter Umschlag oder eine kleine Box reicht dann aus; die meisten Labore stellen ein solches Versandmaterial kostenlos zur Verfügung.
Welches Labor liefert einen Befund, dem alle vertrauen
Ein belastbarer Befund kommt von einem Labor mit einer anerkannten Zulassung. Die Deutsche Akkreditierungsstelle vergibt dafür eine Kennnummer, die Sie kostenlos auf ihrer Webseite nachschlagen können, bevor Sie eine Probe verschicken. Ohne diese Nummer bleibt offen, ob das Labor die vorgeschriebene Methode überhaupt beherrscht und ob ein späterer Vertragspartner den Befund akzeptiert.
Für die Analyse selbst zählt ein Verfahren mit einem speziellen Mikroskop und chemischer Analyse: Das Labor macht einzelne Fasern sichtbar und bestimmt ihre Zusammensetzung. Je nach Aufbereitung erreicht das Verfahren unterschiedliche Genauigkeit.
Bei einer einfachen Aufbereitung weist das Labor Asbest erst ab 1 Masseprozent sicher nach, bei einer aufwendigeren Aufbereitung schon ab 0,001 Masseprozent, also tausendmal genauer.
| Aufbereitung | Genauigkeit | Typisches Material |
|---|---|---|
| Einfache Aufbereitung | weist Asbest ab 1 Masseprozent nach | Asbestzement, Bodenplatten mit hohem Anteil |
| Aufwendige Aufbereitung | weist Asbest ab 0,001 Masseprozent nach | Putz, Spachtelmasse, Fliesenkleber mit geringem Anteil |
Für Putz, Spachtelmasse und Fliesenkleber brauchen Sie deshalb ausdrücklich die aufwendigere Aufbereitung, nicht die einfache. Fragen Sie das Labor vor der Beauftragung, welches Verfahren es für Ihr Material ansetzt. Ein Labor, das bei Fliesenkleber pauschal nur die einfache Aufbereitung anbietet, kann einen geringen, aber wichtigen Asbestanteil übersehen.
- Die Zulassungsnummer steht auf der Webseite oder im Angebot des Labors und lässt sich online nachschlagen.
- Das Labor nennt von sich aus das angewandte Verfahren, statt nur allgemein von einem Asbesttest zu sprechen.
- Das Angebot nennt die erreichte Genauigkeit und passt sie an Ihr Material an, nicht nur einen Pauschalpreis.
- Der Befund weist die Probe eindeutig über Ihre Nummer und den Entnahmeort aus, nicht nur über eine interne Nummer des Labors.
Was die Analyse kostet und wie lange sie dauert
Die Preise unterscheiden sich deutlich nach Material und Aufwand. Bei einem Labor kostet eine einfache Analyse 62,00 Euro netto je Probe, das sind 73,78 Euro brutto. Ab fünf Proben sinkt der Preis auf 59,00 Euro netto, ab zehn Proben auf 57,00 Euro netto je Probe. Für Putz, Spachtelmasse und Fliesenkleber mit der aufwendigeren Aufbereitung berechnet dasselbe Labor 100,00 Euro netto für die einfache Frage ja oder nein. Für die genaue Angabe des Asbestanteils sind es 200,00 Euro netto, jeweils zuzüglich 45,00 Euro netto für die Aufbereitung.
Andere Anbieter kalkulieren anders. Ein Vergleich mehrerer Labore zeigt Preise zwischen 35 und 120 Euro für eine Standardanalyse und rund 232 Euro für eine Untersuchung mit zusätzlicher Prüfstellen-Bestätigung. Einen bundesweit einheitlichen Satz gibt es nicht, deshalb lohnt sich vor der Beauftragung ein kurzer Preisvergleich zwischen zwei oder drei zugelassenen Laboren.
Was der Befund bedeutet und wie es weitergeht
Der Laborbefund beantwortet nur eine Frage: Ist in dieser einen Probe Asbest nachweisbar oder nicht. Was Sie mit diesem Ergebnis tun dürfen und müssen, hängt vom Material und vom geplanten Eingriff ab.
Ist in der Probe Asbest nachweisbar?
Handelt es sich um fest gebundenes Material wie Putz, Fliesenkleber oder Asbestzement?
Kleine Eingriffe wie einzelne Bohrlöcher oder kleine Stemmarbeiten sind mit einem staubarmen Vorgehen möglich, wie der Ratgeber zu Putz und Fliesenkleber zeigt. Größere Eingriffe und der vollständige Ausbau gehören in die Hand eines Fachbetriebs.
Bei schwach gebundenem Material wie Spritzasbest oder Dichtungsschnüren führt kein Weg an einem zugelassenen Fachbetrieb vorbei. Ein Ausbau in Eigenregie ist hier nicht zulässig.
Für diese Stelle gilt keine besondere Einschränkung. Der Befund gilt aber nur für die geprüfte Stelle, nicht für das ganze Bauteil oder Haus. Bei sichtbar anderem Material an anderer Stelle brauchen Sie eine weitere Probe.
Ob Ihr Haus überhaupt betroffen ist, zeigt der Ratgeber Asbest erkennen im Altbau vor 1993.
Häufige Fragen
Darf ich eine Materialprobe auf Asbest in meinem eigenen Haus selbst entnehmen?
Ja, auf eigenem Eigentum dürfen Sie eine Materialprobe selbst entnehmen, solange es sich um fest gebundenes Material wie Putz, Fliesenkleber oder Asbestzement handelt. Bei schwach gebundenem Material wie Spritzasbest sollten Sie die Probenahme trotzdem einem Fachbetrieb überlassen.
Wie groß muss eine Asbest-Materialprobe sein?
Ein Stück von etwa 1 mal 1 Zentimeter reicht den meisten Laboren. Wichtiger als die Größe ist, dass Sie alle Schichten des Bauteils erfassen, also zum Beispiel Fliese und Kleber gemeinsam, und dass Sie die Probe feucht statt trocken entnehmen.
Darf ich eine Asbestprobe einfach mit der normalen Post verschicken?
Bei fest gebundenem Material wie Putz, Fliesenkleber oder Asbestzement ist der Versand mit der normalen Post zulässig, wenn Sie die Probe luftdicht doppelt verpacken. Schwach gebundenes Material verschicken Sie nicht selbst.
Woran erkenne ich, ob ein Labor für die Asbestanalyse zugelassen ist?
Ein zugelassenes Labor trägt eine Kennnummer der Deutschen Akkreditierungsstelle, die Sie kostenlos online nachschlagen können, bevor Sie eine Probe einschicken. Ohne diese Zulassung ist nicht sichergestellt, dass ein späterer Vertragspartner den Befund anerkennt.
Was kostet eine Laboranalyse auf Asbest?
Eine einfache Analyse kostet ab 62,00 Euro netto je Probe. Für Putz, Spachtelmasse und Fliesenkleber mit geringem Asbestanteil berechnen Labore für die aufwendigere Aufbereitung 100 bis 200 Euro netto zuzüglich Aufbereitungskosten. Ein Marktvergleich zeigt insgesamt eine Spanne von 35 bis rund 230 Euro.
Was mache ich, wenn die Probe Asbest bestätigt?
Bei fest gebundenem Material sind kleine Eingriffe wie einzelne Bohrlöcher mit einem staubarmen Vorgehen möglich, ein vollständiger Ausbau gehört aber in die Hand eines Fachbetriebs. Bei schwach gebundenem Material ist ausschließlich ein zugelassener Fachbetrieb zulässig.
