Wann Sie eine Raumluftmessung brauchen
Eine Raumluftmessung ist in zwei Situationen wichtig: als vorgeschriebene Freigabe nach einer Asbestsanierung, und als freiwillige Messung, wenn Sie eine unbeabsichtigte Faserfreisetzung vermuten. Das kann etwa nach einem Wasserschaden an asbesthaltigem Material sein, oder wenn ein Handwerker ohne Schutz gebohrt hat. Ob Ihr Haus grundsätzlich betroffen ist, zeigt der Ratgeber Asbest erkennen im Altbau vor 1993.
Nach der Sanierung darf ein Betrieb die Schutzmaßnahmen erst aufheben, wenn eine Messung eine Faserzahl unter 500 je Kubikmeter bestätigt. Zusätzlich muss die statistische Unsicherheit der Messung unter 1.000 Fasern je Kubikmeter bleiben. Bei sehr kleinen Arbeiten kann auf diese Messung in der Regel verzichtet werden, weil dort ohnehin nur sehr kurze Arbeiten mit geringer Faserzahl erlaubt sind.
Ein häufiger privater Anlass ist der Verdacht auf einen ungeplanten Vorfall. Ein Handwerker hat ohne Schutz in vermutlich asbesthaltigen Putz gebohrt, oder ein Rohrbruch hat eine alte Dichtung beschädigt. Manchmal möchten Sie auch vor dem Einzug in ein gekauftes Haus Gewissheit haben, dass eine frühere Sanierung tatsächlich sauber abgeschlossen wurde. In all diesen Fällen gibt es keine gesetzliche Pflicht zur Messung, aber sie ist der einzige Weg, eine tatsächliche Belastung von einer bloßen Vermutung zu unterscheiden.
Als Eigentümer müssen Sie ohnehin jeden Betrieb informieren, wenn Sie ihn mit weiteren Arbeiten am selben Bauteil beauftragen. Eine eigene, dokumentierte Messung gibt Ihnen dafür eine verlässliche Grundlage. Sie wissen dann aus erster Hand, ob eine erhöhte Faserzahl vorliegt, statt sich auf die mündliche Einschätzung eines einzelnen Handwerkers verlassen zu müssen.
Was eine Messung vor der Sanierung zusätzlich zeigt
Neben der Freigabe nach Abschluss der Arbeiten gibt es die Messung vor Beginn einer Sanierung. Sie stellt fest, wie hoch die Faserzahl in einem Raum vorher ist, und dient als Vergleichswert für später. Ohne diesen Ausgangswert lässt sich hinterher schwer beurteilen, ob eine erhöhte Messung tatsächlich von der aktuellen Arbeit stammt oder schon vorher bestand.
Für Privatpersonen ist diese Messung vor allem beim Hauskauf interessant, wenn Vorbesitzer oder Makler eine frühere Sanierung erwähnen, aber keinen Bericht darüber vorlegen können. Eine aktuelle Messung ersetzt den fehlenden Bericht zwar nicht rückwirkend, gibt Ihnen aber einen verlässlichen, unabhängig ermittelten Stand für den Tag der Übergabe.
Wie die Messung technisch abläuft
Ein anerkanntes Verfahren bestimmt kleinste Fasern in der Innenraumluft mit dem Elektronenmikroskop. Ein Messtechniker stellt an jeder Messstelle eine geeichte Pumpe auf, die über mehrere Stunden ein festgelegtes Luftvolumen durch einen beschichteten Filter saugt. Die Probenahme dauert damit deutlich länger als die spätere Auswertung im Labor.
- Sichtkontrolle des sanierten Bereichs: keine sichtbare Restverschmutzung, sonst startet die Messung gar nicht erst.
- Aufbau der geeichten Pumpen an den festgelegten Messstellen, meist eine Messstelle je Raum bis etwa 10 Quadratmeter.
- Probenahme über mehrere Stunden, wie es das Verfahren für eine belastbare Messung vorschreibt.
- Transport der Filter ins Labor und Auswertung unter dem Elektronenmikroskop mit chemischer Analyse.
- Schriftlicher Bericht mit der Faserzahl je Messstelle und dem Vergleich gegen den Grenzwert.
Wie viele Messstellen nötig sind, richtet sich nach Zahl und Größe der sanierten Räume. Ein großer, offener Raum kann mehrere Messstellen brauchen. Mehrere kleine, direkt angrenzende Räume lassen sich dagegen unter Umständen mit weniger Messstellen abdecken, wenn der Anbieter das fachlich begründet. Lassen Sie sich die Zahl der Messstellen vor der Beauftragung schriftlich nennen, damit Sie sie mit dem Preis vergleichen können.
Die Auswertung ist bewusst aufwendiger als eine einfache Zählung, weil sie Asbestfasern von anderen, unkritischen Fasern chemisch unterscheidet. Das ist kein Selbstzweck: Nur so weiß der Bericht, ob tatsächlich Asbest oder nur harmloser Hausstaub gezählt wurde.
Die Beschichtung des Filters hat einen technischen Grund: Sie macht die Oberfläche unter dem Elektronenmikroskop leitfähig, sodass sich einzelne Fasern scharf abbilden lassen. Anschließend bestrahlt das Labor jede auffällige Faser und liest aus dem Ergebnis ab, aus welchem Material sie besteht, denn die verschiedenen Asbestarten haben jeweils ein eigenes, unterscheidbares Muster. Ein Labor ohne diese Ausstattung kann zwar Fasern zählen, aber nicht sagen, ob es sich um Asbest handelt.
Warum eine einfache Faserzählung nicht reicht
Manche Anbieter werben mit einer schnelleren und günstigeren Zählung im normalen Lichtmikroskop. Das Verfahren zählt zwar Fasern, kann aber nicht zwischen Asbestfasern und anderen Mineralfasern unterscheiden, und sehr dünne Fasern erkennt es oft gar nicht sicher.
Drei Werte entscheiden über eine Asbestsanierung. Ein Vorgehen gilt als staubarm unter 10.000 Fasern je Kubikmeter. Eine Arbeit wird überhaupt nur bis 100.000 Fasern je Kubikmeter geduldet. Und ein sanierter Raum gilt erst unter 500 Fasern je Kubikmeter wieder als unbedenklich.
| Wert | Bedeutung | Schwelle |
|---|---|---|
| Grenze für ein staubarmes Vorgehen | bis zu dieser Grenze gilt ein Verfahren als staubarm | 10.000 Fasern je Kubikmeter |
| Oberste geduldete Grenze | bis zu dieser Grenze wird eine Arbeit überhaupt geduldet | 100.000 Fasern je Kubikmeter |
| Freigabewert nach der Sanierung | unter diesem Wert gilt der Raum wieder als unbedenklich | 500 Fasern je Kubikmeter, oberer Wert unter 1.000 |
Wer misst, und woran Sie ein seriöses Angebot erkennen
Eine rechtlich belastbare Messung stammt von einem Messtechniker, der die Probenahme fachgerecht durchführt, und einem zugelassenen Labor, das die Auswertung im Elektronenmikroskop vornimmt.
- Das Angebot nennt ausdrücklich das Elektronenmikroskop mit chemischer Analyse, nicht nur allgemein eine Faserzählung.
- Das Labor trägt eine Zulassungsnummer, die Sie online nachschlagen können.
- Der Anbieter nennt vorab Zahl und Lage der geplanten Messstellen, nicht nur einen Pauschalpreis für den ganzen Raum.
- Der Bericht weist sowohl den Einzelwert als auch die statistische Unsicherheit aus, nicht nur einen einzelnen gerundeten Wert.
Heben Sie den Messbericht dauerhaft auf, nicht nur bis zur nächsten Renovierung. Er ist bei einem späteren Verkauf der Beleg dafür, dass eine Sanierung tatsächlich mit Erfolg abgeschlossen wurde. Ohne diesen Beleg muss ein Käufer Ihren Angaben glauben, mit ihm kann er sie nachprüfen. Wie Sie einen unabhängigen Anbieter finden, zeigt der Ratgeber Asbest-Fachbetrieb finden und prüfen.
Was passiert, wenn der Messwert zu hoch ist
Liegt die gemessene Faserzahl über dem Freigabewert, bleibt der Raum gesperrt, und die Schutzmaßnahmen dürfen nicht aufgehoben werden. Der Fachbetrieb wiederholt in diesem Fall die Feinreinigung: Alle Oberflächen im Arbeitsbereich werden erneut abgesaugt, glatte Flächen feucht nachgewischt. Danach folgen eine neue Sichtkontrolle und eine zweite Messung. Klären Sie die Kosten für eine solche Nachmessung am besten schon im Vertrag, statt sie erst im Streitfall zu verhandeln.
Liegt die gemessene Faserzahl unter 500 je Kubikmeter?
Liegt die statistische Unsicherheit der Messung unter 1.000 Fasern je Kubikmeter?
Der Raum gilt als freigegeben. Die Schutzmaßnahmen dürfen aufgehoben werden, und der Raum kann wieder genutzt werden.
Trotz eines niedrigen Einzelwerts bleibt die statistische Unsicherheit zu hoch. Es folgt eine weitere Messung, bevor die Freigabe erfolgt.
Der Raum bleibt gesperrt. Der Fachbetrieb muss nachreinigen und erneut kontrollieren, bevor eine zweite Messung folgt.
Häufige Fragen
Wann ist eine Raumluftmessung auf Asbest vorgeschrieben?
Nach jeder Asbestsanierung ist eine abschließende Raumluftmessung vorgeschrieben, bevor die Schutzmaßnahmen aufgehoben werden dürfen. Bei sehr kleinen Arbeiten kann darauf in der Regel verzichtet werden, weil dort ohnehin nur kurze Arbeiten mit geringer Faserzahl erlaubt sind.
Wer darf eine Asbest-Raumluftmessung durchführen?
Die Probenahme übernimmt ein Messtechniker, die Auswertung ein zugelassenes Labor mit dem Elektronenmikroskop und chemischer Analyse. Idealerweise ist die messende Stelle unabhängig vom sanierenden Fachbetrieb.
Ab welchem Wert gilt ein Raum nach der Sanierung als unbedenklich?
Ein sanierter Raum gilt als unbedenklich, wenn die gemessene Faserzahl unter 500 je Kubikmeter liegt und zusätzlich die statistische Unsicherheit der Messung unter 1.000 Fasern je Kubikmeter bleibt. Beide Bedingungen müssen gleichzeitig erfüllt sein.
Reicht eine einfache Faserzählung im Lichtmikroskop aus?
Nein, dieses Verfahren unterscheidet nicht zwischen Asbestfasern und anderen Mineralfasern und erkennt sehr dünne Fasern oft nicht sicher. Für eine rechtlich belastbare Messung zählt das Elektronenmikroskop mit chemischer Analyse.
Was kostet eine Raumluftmessung auf Asbest?
Eine vollständige Messung kostet nach Marktbeobachtung zwischen 1.500 und 2.500 Euro, abhängig von der Zahl und Lage der Messstellen sowie Anfahrt und Labor. Einzelne Messstellen werden von manchen Anbietern auch separat kalkuliert.
Was passiert, wenn die Raumluftmessung einen zu hohen Wert zeigt?
Liegt der Wert über 500 Fasern je Kubikmeter oder die statistische Unsicherheit über 1.000 Fasern je Kubikmeter, bleibt der Raum gesperrt. Der Fachbetrieb muss nachreinigen und erneut kontrollieren sowie eine zweite Messung durchführen, bevor der Raum freigegeben wird.
